Sexuelle Identität am Arbeitsplatz – Müssen wir in Zukunft noch darüber reden?

Wir haben schwule Vorstände in Unternehmen, lesbische Bundesministerinnen und Trans-Wissenschaftler_innen. Gesetze schützen vor Diskriminierung im Arbeitsleben. Scheint doch alles ganz schön gleichberechtigt zu sein – vor allem in der Kommunikationsbranche. Warum sollten wir trotzdem noch in Zukunft über LGBTI im Arbeitsleben reden? 

Auch wenn die Fortschritte der letzten Jahre nicht von der Hand zu weisen sind, verheimlichen immer noch viele LGBTI (Abk. für Lesbians, Gays, Bi, Trans, Inter) ihre sexuelle Orientierung am Arbeitsplatz. Laut einer Studie von Dominic Frohn über sexuelle Identität am Arbeitsplatz empfinden es immer noch mehr als 60 Prozent aller Lesben und Schwulen als notwendig, ihre Homosexualität zum Teil auf Arbeit zu verschweigen. Das Verheimlichen kostet viel Energie, die LGBTI nicht mehr in ihre Arbeit investieren (können). Auch wenn es in der Medien- und Kreativbranche im Vergleich zu andere Bereichen positiver aussieht, gehen hier nur ca. 30 Prozent vollkommen offen mit ihrer sexuellen Orientierung um.

Das politische Klima ist immer rechtskonservativer geprägt –  wir müssen dagegen halten

Hinzu kommt, dass bestärkt durch Petry, Trump, Le Pen und Co. der Rechtspopulismus in der Mitte der westlichen Gesellschaft angekommen ist. Ein Klima, das die Errungenschaften von LGBTI in der Vergangenheit wieder zunichte machen kann. Entwicklungen, die vor wenigen Jahren in westlichen Demokratien für unmöglich gehalten wurden, werden plötzlich denkbar und real.

Eine Vielzahl von Unternehmen setzen mit der öffentlichen Wertschätzung von LGBTI ein Zeichen dagegen. So sprechen sie auch beim Recruiting gezielt LGBTI als Zielgruppe an. Das ist auch wirtschaftlich notwendig, denn der Arbeitsmarkt wird sich in Zukunft radikal verändern.

Nach einer Studie der Bank ING-DiBa aus dem Jahr 2015 werden weltweit die Hälfte aller Jobs aufgrund der Weiterentwicklung von Robotern und Software wegfallen – allein in Deutschland werden das von den 30,9 Millionen Angestelltenverhältnissen 18 Millionen sein. Bereits jetzt werden journalistische Artikel durch Softwareprogramme geschrieben.

Dies hat zur Folge, dass nach der Studie vor allem in der Informations- und Kommunikationstechnik die Nachfrage an Arbeitskräften steigen wird. Homophobe Medienunternehmen werden so keinen Platz mehr in der Zukunft haben. Dafür wird der Wettbewerb um (LGBTI-)Arbeitnehmer in der Medienbranche mit IT-Spezialisierung zu groß sein. Laut einer Umfrage von Capgemini Consulting aus dem Jahr 2013 fehlt es bereits jetzt 90 Prozent aller Unternehmen an digitalem Wissen.

Vielfalt siegt

Diversity wird eine entscheidende Rolle beim Recruiting in der Medienbranche spielen und dafür sorgen, dass Unternehmen erfolgreicher sein werden, die LGBTI-Mitarbeiter_innen wertschätzen. Zudem erzielen „diverse“ Unternehmen nach einer Studie von McKinsey von 2011 einen höheren Gewinn als weniger diverse Unternehmen. Der Wandel der Medienbranche in Zukunft wird auch im Wettbewerb um Arbeitnehmer_innen mit IT-Spezialisierung das Thema LGBTI auf die Tagesordnung setzen. Auch vor dem Hintergrund eines homophober werdenden politischen Klimas ist es wichtiger denn je, auch in Zukunft über Lesben und Schwule im Arbeitsleben zu reden. LGBTI-Diversity trägt zu einem angenehmen und wertschätzenden Arbeitsklima bei, wovon auch heterosexuelle Mitarbeiter_innen profitieren.

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