“Schweigen bedeutet Stillstand” – Interview mit Jean-Luc Romero

Anlässlich des World AIDS Day am 1. Dezember haben wir mit Jean-Luc Romero gesprochen, dem ersten französischen Politiker, der sich offen zu seiner HIV-Infizierung bekannte und damit bis heute der einzige unter den Politiker_innen in Frankreich ist.

Wenn es um HIV geht, stellt ein großes Problem immer noch das Unwissen vieler Menschen dar: “AIDS und HIV sind nicht das Gleiche: Menschen, die das HI-Virus in sich tragen, sind nicht automatisch auch an AIDS erkrankt. Vielmehr bricht AIDS erst Jahre nach der HIV-Infektion aus, wenn sie nicht therapiert wird.”, so onmeda.de. Die Idee, dass HIV-positive Menschen kein aufregenderes Leben führen als man selbst, rückt dabei in den Hintergrund. Doch das ist die Lebensrealität: Lediglich 2 Tabletten am Tag, wie Max aus Jena im neuen queer.de-Interview berichtet: Heutzutage lebt es sich mit einer HIV-Infizierung völlig normal. Medikamente schützen davor, andere Menschen zu infizieren, zwischen Positiven und Negativen bestehen keine sichtbaren Unterschiede mehr. Mehr Artikel zu HIV heutzutage findest Du in den Quellen.

Wir haben Jean-Luc Romero interviewt. Sein Mut zur Offenheit macht ihn zu einer historischen Figur. Was können wir von ihm lernen?

Woher kommt Ihr bewundernswerter Kampfgeist gegen AIDS und für mehr Offenheit?

Ich bin definitiv einen aktivistischen Weg gegangen. Mit 25 wurde ich vom Kampf gegen AIDS beeinflusst, da meine Freunde infiziert waren. In 1987 habe ich mich infiziert und plötzlich war es notwendig, zu kämpfen um die Einstellungen der Gesellschaft zu verändern.

Was können wir in unserem täglichen Leben tun, um Aktivismus im Kleinen zu betreiben?

Es gibt immer noch Gründe, sich einzusetzen: Wenn es um HIV geht, leben immer noch Menschen mit einer Infektion. Die Regierung in Frankreich versteht diese Situation nicht – Behandlungen sind teuer, das müssen wir ändern. Jeden Tag sterben ca. 2000 Menschen an AIDS. Allein sich zu informieren, ist schon ein Schritt in die richtige Richtung.

Jedes Coming Out ist mutig. Was hat zu Ihrem Coming Out geführt?

Das Outing war notwendig für meinen Aktivismus. Mein Aktivismus war notwendig, weil die Lage es erforderte: Ich war der einzige Politiker, der offen mit seiner Krankheit umging. Das hat uns im Kampf gegen AIDS nach vorne gebracht. In vielen europäischen Ländern ist es immernoch schwierig; wir brauchen mehr Menschen, die den Mund aufmachen, ihre Erfahrungen und ihr Wissen teilen.

Was bedeutete Ihr Coming Out für Sie persönlich?

Es war eine wichtige Entscheidung. Lange Zeit hatte ich große Angst, diese Information über mich preiszugeben – AIDS und HIV waren Tabuthemen, es war viel Schande damit verbunden. Aber ab einem bestimmten Punkt wurde es einfach zu wichtig für mich – und ich erzählte davon. Es war sehr befreiend. Wenn man sich zu so etwas bekennt, wird man stärker. Man kann sich besser einsetzen. Schweigen bedeutet Stillstand.

Welche Auswirkungen hatte Ihr Coming Out für die Gesellschaft in Frankreich?

Es war schwierig. Es gab zwar ein paar Aktivisten, aber ich war der einzige Politiker. Ich denke, es ist alles ein Prozess, es hat sich schon viel geändert, aber wir dürfen nicht müde werden. Es muss verstanden werden, dass HIV jeden Menschen treffen kann. Das macht es so wichtig.

Was wünschen Sie sich für LGBT Leader heutzutage?

LGBT Leader müssen mutig bleiben, stark und gute Vorbilder sein. Man darf sich nicht auf den Erfolgen ausruhen.

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