Die ITB Berlin 2019 und das Problem mit dem Partnerland Malaysia – Kommentar

Ferne Länder, neue Kulturen und kulinarische Besonderheiten – schlicht traumhafte Urlaubsziele! Dafür steht die ITB Berlin, Deutschlands größte internationale Tourismusmesse und dies schon seit Jahrzehnten. Jährlich wird dabei ein Partnerland präsentiert, welches insbesondere für die eigenen Tourismusattraktionen, die Kultur und das Land als solches wirbt. In diesem Jahr entschieden sich die ITB-Veranstalter für Malaysia.

Malaysia ein Land mit wunderschönen Sandstränden, atemberaubender Architektur und vermeintlich stets lächelnden Einwohnern. Doch es ist auch genau jenes Land, welches in diesem Jahr für einen heftigen Aufschrei in den Medien und der LGBT+ Community sorgte. Der Grund: Zwei lesbische Frauen wurden 2018 wegen ihrer sexuellen Neigung zu jeweils sechs Stockschlägen und einer Geldstrafe verurteilt. Angesprochen auf die Rechte von den dort lebenden Juden und LGBT+ Menschen, erklärte der malaysische Tourismusminister Datuk Mohamaddin bin Ketapi auf der ITB-Eröffnungspressekonferenz: „Ich glaube, das haben wir nicht in unserem Land“. Eine Aussage, die schlicht eine Unwahrheit darstellt und die vorherrschende Intoleranz aufzeigt, denn anders könnte die Strafverfolgung von homosexuellen Menschen vor Ort nicht erklärt werden.

Doch nicht nur Malaysia rückt in den Vordergrund der medialen Berichterstattung, sondern auch die Messe Berlin als Veranstalter der ITB. Es stellt sich die Frage, ob es moralisch vertretbar ist, einem Land solch eine immense öffentlichkeitswirksame Plattform zu bieten, um sich zu präsentieren, auch wenn es dort massive menschenverachtende Konflikte gibt? Die Messe Berlin sieht sich in der Vermittlerrolle und wolle zu einem Dialog anregen, um mögliche kontroverse Themen zu diskutieren. „Wir schaffen mit der Messe Kommunikationsmöglichkeiten“, so der Geschäftsführer Dr. Christian Göke gegenüber den Medienvertretern.

Seit Jahren setzt sich die Messe Berlin für die LGBT+ Community ein und präsentiert sich mit Ständen beim Motzstraßenfest oder auf der STICKS & STONES. Als Mitglied im „Bündnis gegen Homophobie“ verfolgt das Unternehmen zusätzlich ihr ganzheitliches Diversitymanagement. Ebenso hat jeder Mitarbeiter der Messe Berlin die Möglichkeit sich an den Betriebsrat zu wenden, falls er sich diskriminiert fühlt oder andere Probleme hat.

Somit zeigt die Messe Berlin die entsprechende Offenheit gegenüber diesen Menschen und lässt so keinen homophoben Hintergrund erahnen. Um es nüchtern zu betrachten, müsste man der Messe Berlin auch Dankbarkeit entgegenbringen. Durch die Vorkommnisse rückt Malaysia nun mehr in den Vordergrund und in den Fokus der medialen Wahrnehmung. Aufgrund der Tatsache, dass es sich bei der ITB um eine internationale Messe handelt, sind nun Berichterstattungen aus aller Welt zu erwarten. Das hat zur Folge, dass der Druck auf die Regierung wachsen könnte und diese zum Umdenken angeregt wird.

Für die Messe Berlin wäre es eine Option gewesen, auf die Teilnahme Malaysias zu verzichten. Dann wiederum, wäre das mediale Interesse nach der Bekanntgabe des Partnerlandes und damit verbundenen einschlägigen Berichterstattung womöglich wieder abgeebbt, außer bei den LGBT+ Medien. Diese greifen die Thematik der Diskriminierung auf sowie berichten über die potenziellen Gefahren von einzelnen Urlaubszielen. Dass das Reiseverhalten von LGBT+ Menschen ein lukratives Geschäft darstellt, hat auch die Messe Berlin vor Jahren wahrgenommen. Jährlich soll die Community weltweit über 180 Milliarden Dollar für den Tourismusbereich ausgeben. Nicht umsonst ist er seit den 90er Jahren als eigenes Segment auf der ITB vertreten.

Was kann aus fünf Messetagen mitgenommen werden? Reisen in ferne Länder, vor allem in den Nahen Osten, kann nach wie vor zu einem riskanten Unterfangen für die LGBT+ Community werden. Dennoch hat die diesjährige ITB Berlin auch gezeigt, dass die westliche Welt, solch ein Verhalten nicht toleriert und es öffentlich anspricht. Es bleibt abzuwarten, wie Malaysia sich hierbei zukünftig positioniert.

Fotos: Messe Berlin

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