Interview mit Alexander Saul, Geschäftsführer der Firmenkunden von Vodafone: „Diversity, was ist das eigentlich für Dich?”

Authentizität kann der Schlüssel für eine erfolgreiche Karriere sein. Dafür braucht es jedoch den richtigen Arbeitgeber. Jeder stellt sich von seiner besten Seite dar, gerade im Vorstellungsgespräch. Aber ist die vermeintlich „beste“ Seite auch wirklich die gefragte? Und wie weit ist diese Präsentation von der wirklichen Identität und Persönlichkeit entfernt? Ein wertschätzender Umgang miteinander fängt schon im Vorstellungsgespräch an und hält auch später im Beruf was er verspricht.

Diversity, was ist das eigentlich für Dich?

Fangen wir mal mit der Übersetzung dieses Schlagwortes an. Es geht um Vielfalt, also um die Unterschiede der Menschen, die miteinander in einem Unternehmen oder einer Organisation arbeiten. Das Thema hat für mich zwei Dimensionen. Die erste ist das Rekrutieren von vielfältigen Mitarbeitern. Also ganz bewusst zu schauen, dass wir Menschen unterschiedlicher persönlicher Hintergründe und Profile einstellen, statt einen vermeintlichen Idealtyp zu suchen. Die zweite, fast noch spannendere Dimension, ist das Potenzial der verdeckten Vielfalt. Oder umgekehrt ausgedrückt: Wo Menschen sich eine Maske aufsetzen müssen, um zu arbeiten, setzen sie ihre Energie unproduktiv ein. Dieses Potenzial ist so spannend, weil man es ja nicht auf den ersten Blick erkennt. Es verbirgt sich hinter den Masken. Kaum eine andere Dimension der Vielfalt läuft so sehr Gefahr, verborgen zu bleiben, wie die der sexuellen Identität. „Das muss ja nicht jeder wissen“ ist leider immer noch eine oft getragene Maske.

Was muss sich verändern?

Ich glaube das Problem wird zu oft bei den Minderheiten gesucht. „LGBT sollen, müssen, können doch…“ oder „Das ist doch heute kein Problem mehr“. Das ist alles leicht gesagt aber diese Aussagen schieben den schwarzen Peter den ungeouteten LGBT Mitarbeitern zu. Tatsächlich ist es jedoch das Umfeld, das sich wandeln muss. Es ist schon ein Unterschied, ob sich jemand als „tolerant“ bezeichnet oder ob er Vielfalt aktiv wertschätzt. Tolerant zu sein bedeutet nämlich immer noch etwas nicht gut zu finden, es jedoch auszuhalten. Hier müssen wir am kulturellen Selbstverständnis arbeiten. Erst wenn wir eine Kultur schaffen, in der wir aktiv den Wert von Vielfalt offenlegen und ihn schätzen lernen, wird Outing kein Thema mehr sein. Bis dahin sind es die vielen kleinen Zwischentöne, die LGBT heute immer noch von einem offenen Umgang am Arbeitsplatz abhalten.

Was tust Du ganz persönlich für diesen Wandel?

Zu allererst einmal zuhören, verstehen und offen reden. Ich habe erkannt, dass ich mich auch mit den unsichtbaren Hürden der Vielfalt auseinandersetzen muss, wenn ich nachhaltig etwas verändern will. Daher stehe ich schon lange mit dem LGBT Netzwerk von Vodafone im engen Austausch, schon bevor ich die Rolle als Executive Sponsor übernommen habe. Aus diesen Gesprächen habe ich viel gelernt und mir Ratschläge dazu geholt, wie wir die Kultur verändern können. Ein handfestes Beispiel war dann, dass ich mich auf unsere wichtigste Managementtagung gestellt und ganz konkrete Vorschläge zur Veränderung unserer Führungsleitlinien gemacht habe. Die Resonanz war unglaublich positiv. Das Geheimnis des Erfolges war die enge Zusammenarbeit zwischen den unterschiedlichen Sichtweisen auf das Unternehmen.

Ist Vodafone ein Vorreiter in Sachen Vielfalt?

Es wäre vermessen zu behaupten, dass wir in unserer kulturellen Entwicklung längst am Ziel wären. Schon alleine, weil ich der festen Überzeugung bin, dass es einen dauerhaften Wandel geben muss. Worauf ich jedoch besonders stolz bin, ist das Level auf dem wir mittlerweile die Themen in die Hand nehmen. Offene Kommunikation und Flagge zeigen ist das eine. Mit den Mitarbeitern darüber zu reden, was sie im täglichen Miteinander verändern müssen ist das andere. Unser LGBT Netzwerk berät uns von Mitarbeiterumfragen über Sensibilisierungsmaßnahmen bis hin zu Managementtrainings. Unser gemeinsames Ziel ist es, die Rahmenbedingungen für ein wertschätzendes Miteinander spürbar zu verändern. Wir reden nicht nur, wir machen auch. Das ist meine ganz persönliche Motivation, das LGBT Netzwerk als Executive Sponsor zu begleiten.

Welche Tipps würdest Du Berufseinsteigern mit auf den Weg geben?

Heute mehr denn je würde ich jedem empfehlen, so authentisch wie möglich zu sein. Es hat einfach keinen Wert, für einen Arbeitgeber zu arbeiten, der einen nicht als die Person akzeptiert, die man ist. Für beide Seiten. Wir brauchen in den Unternehmen in aller Regel keine Schauspieler, sondern ganz andere Talente. Verbiegt Euch nicht für einen Arbeitgeber, der Euch nicht wertschätzt. Und, ganz wichtig, artikuliert Eure Anforderungen an attraktive Arbeitgeber. Was muss Euch ein Unternehmen kulturell bieten, um für Euch interessant zu sein? Woran macht Ihr das fest? Stellt Eure Gesprächspartner direkt einmal auf die Probe ob nicht nur ihr den Anforderungen genügt, sondern auch umgekehrt. Wenn Ihr Euch auf Augenhöhe begegnet, dann werdet Ihr den perfekten Arbeitgeber finden. Vodafone sollte dabei natürlich auf der Liste nicht fehlen…

Foto © Vodafone

Vodafone ist Aussteller auf der kommenden STICKS & STONES. Hier geht es zum Ausstellerprofil: https://www.sticks-and-stones.com/aussteller/vodafone-2/

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